Karl Foerster
Senkgarten auf der Chelsea Flower Show
Gabriella Pape and Isabelle Van Groeningen haben 2007 zu Ehren von Karl Foerster den Bornimer Senkgarten neu interpretiert. Im Mitttelpunkt standen seine eigenen Züchtungen, natürlich viel Rittersporn, ergänzt von Pflanzen, die den Charakter der foersterschen Züchtungen unterstreichen. Wie gut den beiden Frauen das gelungen ist, beweist der Preis: Silver GiltFoto: RHS Chelsea Flower Show, Daily Telgraph
Leben und Werk
Karl Foerster ist wohl glückliche 96 Jahre alt geworden (1874 – 1970) und war einer der bedeutendsten Staudenzüchter des letzten Jahrhunderts. Seine Mutter war Malerin und sein Vater Astronom. Aufgewachsen ist er mit Schwester und Bruder in einem aufgeklärten, humanistischen Elternhaus in der Sternwarte in Berlin.In seiner Gärtnerei in Bornim bei Potsdam hat er von 1911 an, davor ab 1903 in Berlin Westend, Gräser und Farne in die Kultur eingeführt, Wildstauden aus aller Welt gartenfähig gemacht, und stand- und witterungsfeste Beetstauden gezüchtet, allen voran den Rittersporn. Sie bildeten die Basis für eine neue weltoffene Gartenkunst: die Foerster-Matternsche Schule oder den Bornimer Stil.
Angetrieben wurde er durch seine Liebe zur Schönheit, durch seine große Liebe zur Natur. Es war ihm wichtig einen Sinn für die Gartenschönheiten und damit wohl auch den Sinn für das Schöne unserer Welt zu verbreiten. Er hat die Stauden als Träger einer neuen Sicht auf die Welt angesehen.
"Jede Pflanze ist ein seltsamer, ein grandioser Einfall der Natur, der sich in frommer Unbekümmertheit an uns wendet und in unser Weltgefühl einbezogen sein will, was uns wiederrum zwingt, die Spannweite unseres inneren Lebens nach immer neuen Seiten hin zu vergrößern, in die uns bekannte und neue Pflanzen locken. Es enstehen allgemach, zunächst noch ungefeiert und leise, ganz neue Bahnen des Verkehrs zwischen Seele und Welt. "
1927 heiratet er die viel jüngere Eva Hildebrandt. 1931 wird Tochter Marianne geboren. Im Hause Foerster versammeln sich in den 20er und 30er Jahren viele bekannte Männer sowie Frauen: Musiker, Maler, Dichter, Bildhauer, Architekten, Gärtner und Wissenschaftler, eine Art Worpswede der Gärtner und Philosophen, der Bornimer Kreis, ein Begriff der erst 1985 aufkommt. Geprägt sind die Treffen von der Freundschaft zu Karl und Eva (Karleva) Foerster und von der freigeistigen Weltanschauung in diesem Kreis. Hier wurde fortgesetzt, was er in seinem Elternhaus kennengelernt hat. Es war vor allem die Persönlichkeit Foersters, die die Menschen faszinierte. Hermann Mattern zählte Karl Foerster zu den „ganz wenigen Menschen, denen ich im Leben begegnet bin, die es sehr früh verstanden haben, ihre Begabung, ihre Klugheit zur Weisheit zu verwandeln“ (Hermann Mattern 1968).
Züchtung der „Neuen Pflanze“
Karl Foerster ist neben Georg Arends, Wilhelm Pfitzer und Ernst Pagels unbestritten der bedeutendste deutsche Staudenzüchter im 20. Jahrhundert. Seine Sorten, die als Ergebnis einer langjährigen Züchtungsarbeit entstanden sind, können als Kulturgut angesehen werden.
Foerster züchtet neue Pflanzen für den „Neuen Garten“. Ab etwa
1900 wurde die Gartenkunst in Deutschland reformiert. Haus und Garten
sollten stärker als zuvor eine Einheit bilden. Dazu wurde der Garten
in streng rechteckige Räume aufgeteilt, die einen direkten Bezug zum
Haus besaßen. Diese Strenge der Form wollte man durch üppig
wachsende Pflanzen brechen. Dazu eigneten sich bevorzugt Stauden.
Doch die meisten der erhältlichen Sorten waren zum Ende des 19. Jahrhunderts auf eine intensive gärtnerische Kultur hin selektiert und von hoher Künstlichkeit, z. B. durch panaschierte Blätter und gefüllte Blüten. Sie erwiesen sich für die Pflanzenverwendung des Reformgartenstils als ungeeignet. Daher begann man auch robuste Hochstauden der Gattungen Aster, Chrysanthemum, Delphinium, Paeonia, Phlox oder Helenium zu bearbeiten (z. B. bei Pfitzer in Stuttgart oder Arends in Wuppertal). Foerster griff diesen Trend auf und entwickelte das Sortiment ganz entscheidend fort. Er führte zahlreiche Wildpflanzen, insbesondere Gräser und Farne, in die Gartenkultur ein. Durch die gezielte langjährige Auslese nach ästhetischen Eigenschaften und nach Widerstandsfähigkeit schuf er einen neuen Typus von Stauden: die „neuen Pflanzen“ für die „Neuen Gärten“.
Foersters züchterische Tätigkeit reichte von 1909 bis zu seinem Tod 1970. Einige Züchtungen wurden auch noch danach vom VEB Bornimer Staudenkulturen herausgegeben. Von den verschiedenen Gattungen haben sich unterschiedlich viele Sorten erhalten.
Es ist bislang nicht bekannt, wie viele Sorten von Karl Foerster herausgegeben wurden. Dies schwankt zwischen 362 (Liste Konrad Näser) bis 700 (Liste Marie-Luise Kreuter). Zur BUGA 2001 wurde erstmals versucht, die Gesamtheit der Züchtungen Karl Foersters wieder zusammen zutragen. Ca. 200 verschiedene Sorten sind seit dieser Zeit auf der Freundschaftsinsel in Potsdam ausgestellt.
Quelle: Karl-Foerster-Stiftung über Ulmer.de,
Veröffentlichungen
Karl Foerster war von Beginn an daran gelegen, sein Begeisterung und sein Wissen und über die neuen Stauden auch einer großen Öffentlichkeit zugänglich zu machen und veröffentlichte insgesamt 29 Bücher. 1920 (-1941) brachte er zusammen mit Oskar Kühl, Camillo Schneider und Harry Maß die Gartenzeitschrift "Gartenschönheit" heraus. Sie sind noch antiquarisch erhältlich. Er nutzte gerne auch die neuen technischen Möglichkeiten, wie Lichtbildervorträge (1910) oder die Möglichkeiten des Rundfunks (1933) um über die Pflanzen aus aller Welt zu berichten.
Aus der Einleitung zu "Der Steingarten der sieben Jahreszeiten": "Dieses Garten- und Pflanzenbuch ist wiederum ein herzklopferisches Buch für den Autor geworden, - sogar bis hinein in die Tabellen ... . ..... Ein tiefes Bedürfnis wartet darauf Widerhall zu finden, - innerste Fühlung mit dem Wollen und vollbringen unserer Gartenfreunde zu steigern und Anteil an ihrem Lebensfrohsinn zu nehmen."
„Das Gute bricht sich aber keineswegs selber Bahn, sondern man muss fortwährend neue Mittel suchen, ihm Bahn zu brechen und darf sich in keiner Weise auf die automatische Weltverbreitung guter und bester Dinge durch ihren eigenen Wert verlassen.“
alle drei s/w Fotos sowie der Rittersporn: entnommen aus Karl-Foerster-Stiftung über Ulmer.de,
„Für
Karl Foerster ist es typisch, dass er in einer Zeit, wo man aus
Konkurrenzgründen seine Erkenntnisse „für sich“ behielt, er
diese vor allen ausbreitete.“
Walter Funke im „Garten der
Erinnerung“
Ich widme meine Internetseite Karl Foerster, je tiefer ich mich mit seinen Schriften beschäftige, desto mehr gilt es zu entdecken. Zum Weiterlesen siehe Literaturliste
Links:
Karl-Foerster-Stiftung, über Ulmer.de zu erreichen.
Zum Foerster Garten auf der Chelsea Flower Show der RHS, gesponsert von Daily Telgraph.
Karl-Foerster bei Garten-Literatur